Von: Marc Hofmann
30.07.2020 - 18:00 Uhr

Pack die Bademythen aus!

Es ist Sommer - also rein ins erfrischende Nass!  

Aber rund um den Wasserspaß in heimischen Badeseen, Freibädern oder den Strandurlaub am Meer (endlich wieder) ranken sich ein paar hartnäckige Bademythen. Wir machen den AuxCheck und nehmen jeden Mythos genauer unter die Lupe: 

#1 Nach dem Essen muss man 30 Minuten warten, bevor man wieder ins Wasser darf 

Essen vor dem Baden ist nicht gefährlich, aber nach üppigen Mahlzeiten ist der Körper mit Verdauen beschäftigt und für andere körperliche Aktivitäten nicht voll leistungsfähig. Folgen können Übelkeit, Magen und Bauchschmerzen sein. Bei alten oder kranken Menschen mit einem sehr schwachen Kreislauf könnte es auch zu Schwindel oder Schwächeanfällen kommen – und das ist im Wasser eher ungünstig.
Notfälle, die durch Baden mit vollem Magen entstanden sind, sind allerdings nicht bekannt. Da ist es gefährlicher sich im Wasser anzustrengen, wenn man schon länger nichts gegessen hat. 

#2 Wenn es nach Chlor riecht und die Augen brennen ist zu viel Chlor im Wasser 

Tatsächlich riecht sauberes gechlortes Wasser nach nix. Der typische Chlorgeruch entsteht erst, wenn Chlor sich mit Verunreinigungen und vor allem einem anderen geruchlosen Stoff verbindet: Harnstoff. Je mehr Urin sich also im Wasser befindet, desto stärker wird der Geruch. Die entstehenden Chlorverbindungen sind auch schuld an den roten, brennenden Augen.  

#3 Haie fressen Menschen 

Das tun sie nur in Hollywoodfilmen. Menschen gehören in Wahrheit nicht auf den Speiseplan eines Hais. Selbst wenn es gelegentlich zu Angriffen kommt, wenn ein Hai Surfer und Wassersportler mit Robben oder Beutetieren verwechselt, lässt der Hai nach einem "Probebiss" von Menschen ab. Wir schmecken ihm einfach nicht, da er deutlich fetteres Fleisch bevorzugt.  

#4 Nach Verbrennung mit Quallen, hilft es auf die betroffene Stelle zu pinkeln 

Bei Berührung stechen die mikroskopischen Nesselzellen der Qualle in die Haut und injizieren extrem schmerzhaftes Nervengift. Die Haut auf keinen Fall mit Süßwasser, Alkohol oder Urin behandeln, denn das aktiviert noch weitere Nesselzellen! Auch Kälte verstärkt den Schmerz nur. Die beste erste Hilfe ist die Haut und noch anhaftende Nesselfäden großflächig mit ganz normalem Essig abzuspülen! Anschließend die betroffenen Stellen mit 45 Grad warmen Wasser oder Wärmepads für mindestens 1 Stunde abzudecken. Das deaktiviert bereits injiziertes Gift sehr effektiv. Urin hilft dagegen leider nix und sorgt nur dafür dass der Betroffene mehr Schmerzen hat und wohl ziemlich angepisst ist! 

#5 Im Wasser bekommt man keinen Sonnenbrand 

Auch wenn man sich überwiegend im Wasser aufhält, braucht man Sonnencreme. Selbst in einem Meter Wassertiefe hat die UV-Strahlung noch eine Intensivität von bis zu 75 Prozent. Außerdem unterschätzt man durch die Kühle des Wassers oft die starke Sonnenstrahlung. Zusätzlich wird durch die Spiegelung der Sonne auf der Wasseroberfläche die Strahlung aufs Gesicht verstärkt. 

#6 Nach dem Sonnenbad darf man auf keinen Fall überhitzt ins Wasser springen (ohne sich vorher langsam abzukühlen) 

Übertrieben! Die Gefahr besteht, ist aber nicht sehr groß. Bei einem gesunden Menschen sollte das kein Problem sein – schließlich gehen Menschen allen Alters auch in die heiße Sauna und duschen sich danach kalt ab. Allerdings könnte man durch den plötzlichen Temperaturschock auch einen Kreislaufkollaps bekommen – im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt. Das Risiko ist aber nur bei Alten, Kranken oder kreislaufschwachen Menschen größer. 

#7 Bei Gewitter muss man schnell raus aus dem Wasser 

Ein Blitzschlag ist nur gefährlich, wenn das Gewitter unmittelbar über dem Wasser ist in dem man badet. Regen, Sturm und entfernter Donner ist kein Problem. Der aus dem Wasser ragende Kopf ist die bevorzugte Einschlagstelle für einen Blitz und der Strom verteilt sich großflächig an der Wasseroberfläche – also ist auch ein Einschlag in 100m Entfernung noch lebensgefährlich. Nur in der Tiefe ist man relativ sicher (wie die Fische). Achtung im Meer: Salzwasser leitet noch 100mal besser als Süßwasser in Seen. 

Quelle: Pixabay