Von: Marc Hofmann
28.07.2017 - 17:45 Uhr

Braucht kein Mensch: ZECKEN

Im Sommer sind Zecken besonders aktiv. Die ekelhaften Spinnentiere (gehören zu den Milben) sind nicht nur lästig sondern können auch gefährliche Krankheiten übertragen. Worauf Ihr also unbedingt achten solltet und alle Zeckenmythen hier im Faktencheck:

Zecken fallen von Bäumen – FALSCH!

Zecken sitzen auf Grashalmen, in kleinen Sträuchern oder im Unterholz und warten dort auf einen Wirt der vorbei kommt. Dabei schaffen sie es nur auf einen halben Meter bis einen Meter Höhe. Von Bäumen fallen sie nicht, erst bei direktem Kontakt halten sie sich an Kleidung oder Körper fest. Den Wirt erkennen sie vor allem durch Rezeptoren an den Hinterbeinen mit denen sie CO2 (Atem) orten können. Außerdem erkennen sie damit Ammoniak, Milch- und Buttersäure (kommt alles im Schweiß vor).

Zeckenschutz benötige ich nur an den Stellen, die nicht mit Kleidung bedeckt ist – FALSCH!

Nachdem Zeckenschutz die Krabbler nicht verscheucht, sondern den „Duft des Blutes“ für sie unsichtbar macht, müsst ihr schon den kompletten Körper einschmieren.
Denn am Menschen suchen Zecken dann mehrere Stunden lang nach dem für sie perfekten Platz zum Blutsaugen. Dabei arbeiten sie sich von den Füßen empor, bis sie einen geschützten Platz gefunden haben: am liebsten im Schritt, Kniekehlen, Haaransatz, der Leistenbeuge und der feine Haut hinter den Ohren – Körperstellen die besonders warm und leicht feucht sind.

Zecken beißen ihren Wirt – FALSCH!

Korrekt ist es ein Zeckenstich, obwohl der Saugvorgang mit den Mundwerkzeugen erfolgt. Zuerst reißt die Zecke mit den Kieferklauen eine kleine Wunde in die Haut und schiebt den Rüssel hinein. Das macht die Zecke aber nur um sich mit den Widerhaken am Rüssel festzuhalten. Denn der Rüssel ist kein hohler Saugrüssel! Die Mundöffnung liegt daneben – damit saugt die Zecke das sich ansammelnde Blut auf. Der Saugvorgang kann viele Tage bis Wochen dauern. Der Körper der Weibchen kann dabei auf das Zwanzigfache seines ursprünglichen Volumens und das Hundertfache des Gewichts anschwellen. Beim Saugvorgang gibt die Zecke Speichel in die Wunde ab, der unter anderem die Blutgerinnung hemmt, das Schmerzempfinden senkt und Abwehrreaktionen verhindert. Aber der Speichel kann auch Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger enthalten!

Am besten ist es Zecken mit Öl oder Kleber zu ersticken – FALSCH!

Keine gute Idee, denn beim Ersticken übergeben sich die Zecken in die Wunde – so gelangen besonders viele Bakterien oder Viren in den Körper!
Viel besser: schnell und vor allem ohne die Zecke zu quetschen raus ziehen. (Quetschen oder Drücken befördert auch nur den Inhalt der Zecke in unseren Körper)

Mit einer Zeckenzange muss man die Tiere im Uhrzeigersinn herausdrehen – FALSCH!

Egal in welche Richtung man dreht! Der Stechrüssel einer Zecke hat kein Gewinde. 
Drehen hilft die Zecke zu lösen ohne dass der Kopf abreißt – dabei ist die Richtung ganz egal!

Gegen alle Krankheiten die Zecken übertragen kann ich mich Impfen – FALSCH!

Zecken können Borreliose, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME),  Babesiose, Ehrlichiose, Rickettsiosen oder Neoehrlichiose übertragen.
Impfen kann man dabei nur gegen die Viren die FSME auslösen – gegen die anderen Bakterien gibt es keinen Impfstoff und man behandelt die Infektion mit Antibiotika.

WICHTIGE NEUE ERKENNTNIS:

Neueste Studien zeigen, dass in den ersten 24-48 Stunden kaum Infektionen mit Bakterien aus Zecken auftreten, aber danach drastisch steigen! Nach 4-5 Tagen lag die Infektionsrate schon bei 57%. Deshalb ist es ganz wichtig die Zecke so bald wie möglich zu entfernen! "Da die Borrelien erst vom Darm in die Mundwerkzeuge wandern müssen, ist das Infektionsrisiko sehr gering, wenn die Zecke innerhalb von ein paar Stunden entfernt wird", beruhigt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Das Risiko, bei einem Zeckenstich mit Borrelien infiziert zu werden, liegt nur zwischen 0,3 und 1,4 Prozent.

FSME-Viren hingegen gelangen schneller von der Zecke in den Menschen als Borellien. In deutschen FSME-Gebieten sind zwischen 0,1 bis fünf Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. Baden-Württemberg (Schwerpunkt Schwarzwald und Bodensee) und Bayern (Franken, Bayerischer Wald, Berchtesgadener Land) sind besonders betroffen. Nach einer Infektion entwickeln bis zu 30 Prozent der Infizierten Symptome. Im Jahr 2016 wurden 348 FSME-Erkrankungen registriert. Eine Impfung wird all jenen empfohlen, die sich viel im Freien aufhalten.